Wie beleuchtet man (k)ein Auto?

PKW auf dem Messestand eines tschechischen Herstellers mit „Showcar Lack“

Ich halte es für die Königsdisziplin ein Auto ordentlich auszuleuchten. Warum?

Ein Hersteller investiert Millionen Euro in einen neuen Lack. Dieser soll auf Messen und Ausstellungen welche in der Regel in geschlossenen Gebäuden stattfinden möglichst realistisch aussehen, so wie später auch auf der Straße.

Schlecht ausgeleuchtete Fahrzeuge sehen nicht nur schlecht aus, es kann im Schlimmsten Fall auch zu empfindlichen Rechnungskürzungen durch den Auftraggeber führen. Bei entsprechenden Projekten geht es hier schnell um einige 10.000€.

Viele Lacke werden auch speziell für Messen entwickelt um dort besonders aufzufallen. Diese werden später im Verkauf nicht mehr angeboten.

Immer wieder sehe ich auf Verbrauchermessen, in Autohäusern oder auf Veranstaltungen wie Autos grottig schlecht beleuchtet werden. Oftmals werden solche Ausstellungen vom landläufig „Garagenverleiher“ genannten Dienstleister betreut. Dieser hat selten die richtigen Zutaten um eine solche Aufgabe ordentlich zu erfüllen.

Was gilt es also bei Fahrzeugbeleuchtung zu beachten?

Zu aller erst sollte man zwei Grundlagen kennen. Die Sonne liefert nahezu unbegrenzt Licht. Je nach Sonnenstand oder Bewölkung sind das 20.000 bis 200.000 Lux. Zum vergleich: Ein Büroarbeitsplatz sollte mit etwa 500 Lux auf Tischhöhe beleuchtet sein.

Der zweite wichtige Faktor ist die Farbtemperatur. Kunstlicht wie zum Beispiel PAR Scheinwerfer haben eine im Gegensatz zum Tageslicht stark nach rot verschobene Farbtemperatur. Dies sorgt dafür, dass die Lackfarben deutlich verfälscht werden.

Grafik ausgeliehen vom Lichturgestein Herbert Bernstädt http://hbernstaedt.de

Auch bei LED Scheinwerfern welche das weiße Licht durch Farbmischung erzeugen muss man vorsichtig sein. Bei RGB Scheinwerfern liefern die drei Mischfarben jeweils nur einen sehr schmalen Spektralbereich mit großen Lücken. Es fehlen also zur realistischen Farbdarstellung von vornherein wichtige Zutaten im Licht. Je mehr Grundfarben in einem LED-Scheinwerfer für die Farbmischung verantwortlich sind, desto besser ist die Farbwiedergabe. Hierfür werden inzwischen zum Beispiel rot, zwei blautöne, zwei grüntöne, warm sowie kalt weiß und bernsteinfarbene LEDs verbaut. Mischfarben aus solchen Scheinwerfern bieten einen hohen Farbwiedergabeindex von teilweise deutlich über 90.

Auf Messen werden Fahrzeuge in der Regel mit Entladungslampen beleuchtet. Diese meist HMI Brenner liefern einen hohen Lichtstrom und eine dem Tageslicht ähnliche Farbtemperatur von 6000K. Die Helligkeit direkt am Fahrzeug gemessen sollte meiner Meinung nach mindestens 7000 Lux betragen. Einige Hersteller leuchten sogar mit bis zu 15.000 Lux.

Welche Scheinwerfer sind geeignet?

Sehr niedrige Lichtpunkthöhe erfordert kleinere Scheinwerfer mit großem Fokusbereich.

Nun gibt es die Möglichkeit einen PAR 64 oder herkömmliche Stufenlinsen mit zum Beispiel LEE 201 Filtern in Tageslicht zu konvertieren. Dazu sollte man wissen, dass bis zu 70% der Leistung im roten Farbspektrum verloren gehen. Das ist bei 1000 Watt je Scheinwerfer nicht gerade grün, kann aber eine Notlösung sein.

Wie wird es also im Idealfall gemacht? DIE Lösung gibt es nicht, es werden jedoch tatsächlich nicht all zu viele Scheinwerfertypen verwendet.

Meine persönlichen Favoriten sind folgende:

  • ARRISUN Event 5 / 12
  • Martin MAC Viper Perf.
  • Martin MAC 2000 Wash XB
  • JB Lighting A8 / A12
  • Robe Robin 800

Welcher Scheinwerfer wann zum Einsatz kommt ist selbstverständlich von weiteren Faktoren wie Höhe des Rigs oder Distanz zum Fahrzeug abhängig.

Wie viele Scheinwerfer zum Einsatz kommen ist auch wieder von Leistung und zu erreichender Helligkeit abhängig. Das Fahrzeug sollte jedoch von oben und von allen Seiten beleuchtet werden. Mindestens 9 Scheinwerfer sollten es für ein gleichmäßiges Ergebnis schon sein.

Mindestanforderung beim Einsatz von Arrisun 5 Event bei 5m Lichtpunkthöhe

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